Im Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz gibt es in der HQ selten eine Zahl zu rechnen. Gefragt ist etwas anderes: Du sollst als Meister zeigen, dass du Gefahren erkennst, Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge festlegst und deine Leute so unterweist, dass es wirkt. Zwei Werkzeuge tauchen dabei immer wieder auf: die Gefährdungsbeurteilung und die Unterweisung.
Wir haben unsere HQ-Prüfungsaufgaben der Jahrgänge 2015 bis 2025 danach durchsucht, wo diese beiden Themen ausdrücklich verlangt werden. Das Ergebnis zeigt, warum sich die Vorbereitung lohnt – und dass das Thema keineswegs nur in der Organisations-Aufgabe steckt.
In 45 Teilaufgaben fordert die Aufgabenstellung ausdrücklich eine Gefährdungsbeurteilung (11) oder eine Unterweisung beziehungsweise Betriebsanweisung (34). Nimmt man die Musterlösungen dazu, kommt die Unterweisung sogar in 102 Teilaufgaben vor – in jedem einzelnen Prüfungstermin von Frühjahr 2015 bis Frühjahr 2025.
So verteilen sich die 45 Teilaufgaben:
Drei Dinge fallen auf:
Den gesamten Schwerpunkt mit allen Themen und Zahlen findest du auf der Seite Handlungsbereich Organisation.
Die Pflicht steht in § 5 des Arbeitsschutzgesetzes: Der Arbeitgeber muss die Gefährdungen beurteilen und daraus die nötigen Maßnahmen ableiten. In der Praxis überträgt er diese Aufgabe für seinen Bereich häufig auf den Meister. Für den Ablauf hat sich die Gliederung der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) durchgesetzt – und genau diese Reihenfolge erwarten die Musterlösungen:
Mit Schritt 5 aufhören. Die Gefährdungsbeurteilung ist nach der Umsetzung nicht abgeschlossen – Wirksamkeitskontrolle und Fortschreibung gehören in jede vollständige Antwort.
Eine Frage, die immer wiederkehrt: Nenne Anlässe für eine Gefährdungsbeurteilung oder ihre Fortschreibung. Punkte bringen konkrete Anlässe: Neubau oder Neuanschaffung, Umbau oder Erweiterung, geänderte Nutzung einer Anlage, neue Arbeitsverfahren oder Arbeitsstoffe, geänderte Vorschriften, Arbeitsunfälle und Beinahe-Unfälle, Änderungen in der Arbeitsorganisation. Ein fester Turnus wie „einmal im Jahr“ ist dagegen kein Anlass im Sinne der Frage.
§ 6 ArbSchG verlangt Unterlagen, aus denen das Ergebnis, die festgelegten Maßnahmen und das Ergebnis ihrer Überprüfung hervorgehen. In der Prüfung wird das konkreter abgefragt: beurteilter Bereich oder Tätigkeit, Datum und Beteiligte, festgestellte Gefährdung und ihre Bewertung, Dringlichkeit, Maßnahme, Verantwortlicher, Termin, Wirksamkeitskontrolle. Achte darauf, ob nach den Angaben der Dokumentation gefragt ist – dann sind einzelne Gefährdungen wie „Lärm“ oder „Quetschstelle“ keine Antwort.
Das Arbeitsschutzgesetz als Grundlage, dazu die Verordnungen, die eine Gefährdungsbeurteilung für ihr Gebiet ausdrücklich fordern: Betriebssicherheitsverordnung (Arbeitsmittel), Gefahrstoffverordnung, Arbeitsstättenverordnung, Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung. Hinzu kommt die DGUV Vorschrift 1 der Berufsgenossenschaften. Das Betriebsverfassungsgesetz oder eine freiwillige Norm wie ISO 45001 sind keine Rechtsgrundlage für die Pflicht selbst.
§ 4 ArbSchG gibt vor, Gefahren an der Quelle zu bekämpfen und individuelle Schutzmaßnahmen nur nachrangig einzusetzen. Daraus ergibt sich die Rangfolge, die du in jeder Maßnahmenfrage zeigen solltest:
Schreibe die Maßnahmen in STOP-Reihenfolge auf und nenne die Stufe dazu. Wer mit Schutzbrille und Handschuhen anfängt, signalisiert dem Prüfer, dass er das Prinzip nicht kennt – auch wenn jede einzelne Maßnahme richtig ist.
Mit 34 Teilaufgaben ist die Unterweisung das häufigere der beiden Themen. Die Fragen lassen sich in wenige Gruppen ordnen.
§ 12 ArbSchG verlangt eine Unterweisung während der Arbeitszeit, zugeschnitten auf Arbeitsplatz oder Aufgabenbereich, und zwar vor Aufnahme der Tätigkeit: bei der Einstellung, bei Veränderungen im Aufgabenbereich und bei neuen Arbeitsmitteln oder Technologien. Sie ist bei Bedarf zu wiederholen. Für die Fristen solltest du drei Zahlen sicher kennen:
Leiharbeitnehmer unterweist der Betrieb, in dem sie arbeiten – nach § 12 Abs. 2 ArbSchG trifft die Pflicht den Entleiher. „Dafür ist die Zeitarbeitsfirma zuständig“ kostet in der Prüfung die Punkte.
Häufig sollst du eine Unterweisung planen: Zielgruppe und Vorkenntnisse klären (Sprache, Erfahrung, neue oder erfahrene Kräfte), Inhalte aus der Gefährdungsbeurteilung und der Betriebsanweisung ableiten, Ort und Zeitpunkt festlegen, Methode wählen. Gute Antworten lassen die Beschäftigten selbst etwas tun – Schutzausrüstung anlegen, den NOT-HALT auslösen, eine Gefahrstelle an der Maschine zeigen – und prüfen am Ende das Verständnis, statt nur vorzutragen.
Unterweisungen werden dokumentiert: Datum, Inhalt, unterweisende Person, Unterschrift der Teilnehmer. Auch die digitale Unterweisung war schon Thema, im Frühjahr 2024 in der Organisations-Aufgabe Metall. Sie kann eine Präsenzunterweisung ergänzen, aber nicht in jedem Fall ersetzen – etwa nicht, wenn praktische Handgriffe geübt werden müssen, bei besonders gefährlichen Tätigkeiten oder bei Personengruppen, die persönlich angesprochen werden müssen, wie neue Beschäftigte oder Jugendliche. Und eine Möglichkeit für Rückfragen muss es immer geben.
Ein selbst formulierter Fall, wie er in einer Situationsaufgabe stehen könnte: In deiner Blechfertigung wird eine neue CNC-Abkantpresse aufgestellt. Ab nächster Woche arbeiten daran zwei Leiharbeitnehmer, die solche Maschinen noch nicht bedient haben. Aufgabe: Beschreibe vier Maßnahmen, mit denen du die Gefährdung beim Abkanten nach dem STOP-Prinzip verringerst, und nenne drei Inhalte der Erstunterweisung.
Maßnahmen nach STOP (Substitution ist bei einer neu beschafften Maschine meist schon erledigt, deshalb ab T):
Inhalte der Erstunterweisung: Gefahrstellen der Maschine (Quetschen zwischen Ober- und Unterwerkzeug, hochschlagende Bleche), Funktion und Prüfung der Schutzeinrichtungen einschließlich NOT-HALT, Verhalten bei Störungen und wer die Störung beseitigen darf. Dazu der Hinweis, dass die Unterweisung vor dem ersten Arbeitseinsatz stattfindet, an der Maschine durchgeführt und mit Unterschrift dokumentiert wird.
Die Zahl in der Aufgabenstellung ist dein Bewertungsschlüssel. „Nenne vier“ heißt: vier verschiedene Punkte, jeweils mit Bezug auf den Fall. Mehr Antworten als verlangt kosten Zeit und bringen in der Regel keine Zusatzpunkte – lieber vier saubere als sechs halbe.
Die Rechtsgrundlagen aus der BQ – Arbeitsschutzgesetz, Arbeitssicherheitsgesetz, Verantwortung des Vorgesetzten – kennst du aus dem Fach Rechtsbewusstes Handeln. Zum Auffrischen eignet sich die Übersicht zur RBH-Prüfung. Den Gesetzestext findest du im Arbeitsschutzgesetz.
Nein. Der Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz ist ein Qualifikationsschwerpunkt im Handlungsbereich Organisation, wird aber auch in die technischen Situationsaufgaben eingebunden. In unserer Auswertung stehen 17 von 45 Teilaufgaben zu Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung in der Technik – in Elektrotechnik wie in Metall.
Meist wird nach Inhalten gefragt, nicht nach Paragrafennummern. Wenn nach Rechtsgrundlagen gefragt ist, reicht der Name der Vorschrift, etwa Arbeitsschutzgesetz oder Betriebssicherheitsverordnung. Eine richtige Paragrafenangabe schadet aber nicht und wirkt sicher.
Jede schriftliche Situationsaufgabe dauert mindestens vier Stunden, zusammen höchstens zehn Stunden. Dazu kommt das Fachgespräch mit 45 bis 60 Minuten. Mehr dazu im Artikel Industriemeister HQ: Ablauf und Situationsaufgaben, die nächsten Prüfungstermine stehen auf der HQ-Startseite.
In unserem Trainer findest du die HQ-Prüfungsaufgaben der Jahrgänge 2015 bis 2025 für Elektrotechnik und Metall – nach Jahr oder nach Thema sortiert. Du schreibst deine Antwort frei und siehst danach, welche Kernpunkte der Musterlösung du getroffen hast und welche fehlen. 63 Teilaufgaben Elektrotechnik und 34 Teilaufgaben Metall kannst du kostenlos ausprobieren. Wie das Kostenwesen in der Organisations-Aufgabe abläuft, zeigt der Artikel Kostenwesen in der HQ-Situationsaufgabe.
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