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Situationsaufgabe Industriemeister: Beispiel mit Lösung

Industriemeister-HQ Redaktion · 05. Oktober 2026 · 10 Min. Lesezeit
Auf dieser Seite
  1. Was ist eine Situationsaufgabe?
  2. So ist eine Situationsaufgabe aufgebaut – in Zahlen
  3. Die Arbeitsanweisungen richtig lesen
  4. In fünf Schritten durch die Situationsaufgabe
  5. Beispiel mit Lösung: Druckluft-Leckagen in der Fertigung
  6. Situationsaufgaben üben: so gehst du vor
  7. Häufige Fragen zur Situationsaufgabe

Die Situationsaufgabe ist das Herzstück der Industriemeisterprüfung im Teil Handlungsspezifische Qualifikationen (HQ). Wer sie versteht, schreibt die Prüfung mit einem Plan. Wer sie unterschätzt, verliert Punkte, obwohl das Fachwissen da wäre. In diesem Artikel erfährst du, wie eine Situationsaufgabe aufgebaut ist, was die Arbeitsanweisungen wirklich verlangen, wie du deine Zeit einteilst – und du rechnest ein vollständiges Beispiel mit Lösung durch.

Was ist eine Situationsaufgabe?

In der Basisqualifikation (BQ) wirst du in fünf getrennten Fächern geprüft. In der HQ gibt es keine Fächer mehr. Stattdessen bekommst du eine betriebliche Ausgangslage: ein Unternehmen, eine Abteilung, ein Problem. Darauf bauen mehrere Aufgaben auf, und du handelst wie ein Meister im Betrieb – du rechnest, planst, entscheidest und begründest.

Die HQ besteht aus drei Situationsaufgaben:

Beide schriftlichen Aufgaben dauern zusammen höchstens zehn Stunden. Wie der gesamte Prüfungsteil abläuft, steht in unserem Artikel Industriemeister HQ: Ablauf und Situationsaufgaben erklärt.

Integrativ: drei Handlungsbereiche in einer Aufgabe

Eine Situationsaufgabe hat einen Kern, prüft aber immer mehr als ihr Thema. Die DIHK-Strukturierung nennt als Richtwert je Situationsaufgabe 100 Punkte: etwa 60 Punkte aus dem Kern-Handlungsbereich und je etwa 20 Punkte aus den beiden anderen. In der Technikaufgabe stecken also Kostenrechnung, Arbeitsschutz und Personalführung – mitten im technischen Sachverhalt.

Unsere eigene Auszählung bestätigt das: In der Situationsaufgabe Technik I (Elektrotechnik) sind nur 366 von 552 Teilaufgaben technisch, also rund zwei Drittel. Der Rest gehört zu Organisation sowie Führung und Personal.

Wichtig

Rund 40 Punkte jeder Situationsaufgabe kommen aus den beiden Bereichen, die nicht ihr Kern sind. Wer nur sein Kernfach lernt, verschenkt diese Punkte – obwohl sie oft die leichtesten der ganzen Prüfung sind.

So ist eine Situationsaufgabe aufgebaut – in Zahlen

Wir haben 97 Situationsaufgaben der Prüfungsjahrgänge 2015 bis 2025 mit zusammen 2.792 Teilaufgaben ausgewertet (Elektrotechnik und Metall). Das Ergebnis zeigt, worauf du dich einstellen musst:

Jede Aufgabe beginnt mit einer kurzen Ergänzung zur Ausgangslage – eine neue Messung, ein Angebot, ein Konflikt im Team. Lies diese Ergänzungen genau: Sie enthalten die Zahlen und Bedingungen, die du für die Lösung brauchst.

Die Arbeitsanweisungen richtig lesen

Das erste Wort einer Teilaufgabe entscheidet, was der Prüfer erwartet. Hier gehen die meisten Punkte verloren, weil zu knapp oder am Thema vorbei geantwortet wird.

Typischer Fehler

Bei „Erläutern Sie zwei Folgen“ werden zwei Stichworte hingeschrieben. Das ist „nennen“ und bringt meist nur die Hälfte der Punkte. Jede Folge braucht einen erklärenden Halbsatz.

In fünf Schritten durch die Situationsaufgabe

Schritt 1: Ausgangslage aktiv lesen

Lies die Ausgangslage einmal ganz, bevor du die erste Aufgabe anfasst. Markiere Zahlen, Einheiten, Fristen und Personen. Notiere am Rand, welche Rolle du hast – meist bist du der verantwortliche Meister. Aus dieser Rolle heraus antwortest du in jeder Teilaufgabe.

Schritt 2: Zeit nach Punkten einteilen

Bei vier Stunden Bearbeitungszeit und 100 Punkten hast du rund 2,4 Minuten pro Punkt. Eine Teilaufgabe mit 4 Punkten verdient also etwa zehn Minuten – nicht eine halbe Stunde. Rechne die Faustformel mit der Bearbeitungszeit aus deiner Einladung nach und plane 15 Minuten für die Kontrolle am Ende ein.

Schritt 3: Sichere Punkte zuerst

Du musst die Aufgaben nicht in der Reihenfolge lösen. Hole zuerst die Punkte, die du sicher kannst. Bleibst du an einer Rechnung hängen, schreibe den Ansatz hin und gehe weiter: Auch ein richtiger Ansatz mit falschem Ergebnis bringt in der Regel Teilpunkte.

Schritt 4: Rechnen mit System

Schreibe bei jeder Rechnung die Formel, die eingesetzten Werte mit Einheiten und das Ergebnis mit Einheit. Achte auf die Umrechnung von Minuten in Stunden und von Wh in kWh – hier passieren die meisten Folgefehler. Wenn du die Grundlagen der Kostenrechnung auffrischen willst: Die Seite BWH-Prüfung und die Formelsammlung für Industriemeister helfen dabei.

Schritt 5: Auf den Betrieb beziehen

Antworte nicht wie aus dem Lehrbuch, sondern für den Betrieb aus der Ausgangslage. „Schulungen durchführen“ ist allgemein. „Die drei Schichtführer in der Leckagesuche mit dem Ultraschallgerät unterweisen“ ist eine Meisterantwort.

Prüfungstipp

Nummeriere deine Antworten genauso wie die Aufgabe (a, b, c …) und beginne jede Teilaufgabe auf einer neuen Zeile. Der Prüfer findet deine Punkte schneller – und übersieht keine.

Beispiel mit Lösung: Druckluft-Leckagen in der Fertigung

Das folgende Beispiel ist selbst formuliert und so gebaut wie eine Aufgabe aus einer Situationsaufgabe Technik: ein technischer Kern mit Anteilen aus Kostenwesen, Arbeitsschutz und Personalführung. Versuche zuerst selbst zu lösen und lies danach die Lösung.

Ausgangslage

Die Kunststoffwerk Nord GmbH fertigt mit 120 Beschäftigten im Dreischichtbetrieb Spritzgussteile. Du bist als Industriemeister für die Instandhaltung verantwortlich. Bei einer Messung an einem produktionsfreien Sonntag läuft die Kompressorstation weiter, obwohl keine Maschine Druckluft abnimmt. Die gemessene Leckagerate beträgt 1,2 m³/min.

Weitere Angaben: spezifischer Energiebedarf der Druckluft 0,11 kWh/m³, Strompreis 0,22 €/kWh, Betriebszeit der Anlage 6.000 Stunden im Jahr.

  • a) Berechne die jährlichen Stromkosten, die durch die Leckagen entstehen. (3 Punkte)
  • b) Erläutere zwei Maßnahmen, mit denen du Leckagen dauerhaft niedrig hältst. (4 Punkte)
  • c) Eine Sanierung des Leitungsnetzes kostet 18.000 € und senkt die Leckagen um 70 Prozent. Berechne die statische Amortisationszeit und beurteile die Investition. (4 Punkte)
  • d) Für die Sanierung arbeiten zwei Mitarbeiter an Druckluftleitungen. Nenne vier Schutzmaßnahmen und ordne sie nach der gesetzlichen Rangfolge. (4 Punkte)
  • e) Ein erfahrener Schichtführer hält die Leckagesuche für Zeitverschwendung. Beschreibe, wie du ihn für das Projekt gewinnst. (3 Punkte)

Lösung a) Kosten der Leckagen

Leckagemenge pro Stunde: 1,2 m³/min · 60 min/h = 72 m³/h

Leistung, die nur für Leckagen gebraucht wird: 72 m³/h · 0,11 kWh/m³ = 7,92 kW

Energie pro Jahr: 7,92 kW · 6.000 h = 47.520 kWh

Kosten pro Jahr: 47.520 kWh · 0,22 €/kWh = 10.454,40 €

Punkte gibt es für den richtigen Ansatz (Umrechnung auf Stunden), den Rechenweg und das Ergebnis mit Einheit.

Lösung b) Maßnahmen gegen Leckagen

  • Regelmäßige Leckageortung, zum Beispiel vierteljährlich mit einem Ultraschall-Lecksuchgerät: Undichte Kupplungen, Schläuche und Wartungseinheiten werden gefunden, bevor sich Verluste summieren.
  • Abschalten nicht genutzter Netzbereiche außerhalb der Produktionszeit über Absperrventile: Dadurch steht in diesen Leitungen kein Druck an, und es kann dort keine Luft entweichen.

Ebenfalls richtig wären zum Beispiel eine Absenkung auf den tatsächlich benötigten Netzdruck oder eine Verbrauchsmessung mit Kennzahl, die im Schichtbuch verfolgt wird. Wichtig ist bei „erläutern“ jeweils die Wirkung.

Lösung c) Amortisation und Beurteilung

Jährliche Einsparung: 10.454,40 € · 0,70 = 7.318,08 €

Statische Amortisationszeit: 18.000 € ÷ 7.318,08 €/Jahr ≈ 2,5 Jahre

Beurteilung: Die Investition hat sich nach rund zweieinhalb Jahren bezahlt gemacht. Bei einem Leitungsnetz, das deutlich länger genutzt wird, ist sie wirtschaftlich sinnvoll. Zusätzlich sinken Kompressorlaufzeit und Verschleiß. Zu einer vollständigen Antwort gehört das eigene Urteil – eine Zahl ohne Bewertung bringt hier nicht alle Punkte.

Lösung d) Schutzmaßnahmen nach Rangfolge

Nach § 4 des Arbeitsschutzgesetzes haben technische Maßnahmen Vorrang vor organisatorischen, und persönliche Schutzausrüstung kommt zuletzt (STOP-Prinzip). Eine Substitution scheidet hier aus, weil genau diese Leitungen saniert werden müssen:

  • Technisch: Leitungsabschnitt absperren und drucklos machen, Restdruck über ein Ventil ablassen.
  • Technisch: Absperrventil gegen Wiederöffnen sichern, zum Beispiel mit Schloss.
  • Organisatorisch: Mitarbeiter vorab unterweisen und die Unterweisung dokumentieren, Arbeitsbereich kennzeichnen.
  • Persönlich: Schutzbrille und Gehörschutz bei Arbeiten an Druckluftleitungen tragen.

Die gesetzliche Grundlage findest du im § 4 Arbeitsschutzgesetz.

Lösung e) Den Schichtführer gewinnen

Du führst ein persönliches Gespräch unter vier Augen. Du zeigst ihm die Zahlen aus a) – über 10.000 € im Jahr für Luft, die niemand nutzt – und fragst nach seinen Bedenken, etwa Zeitdruck in der Schicht. Dann bindest du ihn ein: Er übernimmt die Leckagesuche in seiner Schicht und bekommt dafür feste Zeit eingeplant. Erfolge machst du sichtbar, zum Beispiel im Schichtbuch oder in der Teambesprechung.

Merke

Eine einzige Aufgabe enthält hier Technik (a, b), Kostenwesen (c), Arbeitsschutz (d) und Personalführung (e). Genau so sind die Situationsaufgaben der Prüfung gebaut – deshalb lohnt es sich, gemischt zu üben statt Fach für Fach.

Situationsaufgaben üben: so gehst du vor

Situationsaufgaben lernt man nicht durch Lesen, sondern durch Bearbeiten. Drei Wege haben sich bewährt:

In unserer App kannst du Situationsaufgaben aus den Prüfungsjahrgängen 2015 bis 2025 bearbeiten – einzeln mit Lösungsweg oder im Prüfungsmodus als ganze Situationsaufgabe mit Punktestand am Ende. Der Prüfungsmodus hat kein Zeitlimit; für den Prüfungsdruck nimmst du am besten deine eigene Stoppuhr. Zum Ausprobieren: 15 Prüfungsaufgaben aus Frühjahr 2025 (Elektrotechnik) kostenlos und ohne Anmeldung testen oder 12 Prüfungsaufgaben aus Frühjahr 2025 (Metall) testen. Alle Pakete und Preise stehen auf der HQ-Startseite, die Prüfungstermine mit Countdown unter HQ-Prüfungstermine.

Die rechtlichen Grundlagen zu Aufbau und Dauer der Situationsaufgaben stehen in der Prüfungsverordnung Industriemeister Elektrotechnik und in der Prüfungsverordnung Industriemeister Metall.

Häufige Fragen zur Situationsaufgabe

Wie viele Punkte hat eine Situationsaufgabe?

Als Richtwert 100 Punkte, verteilt auf etwa 60 Punkte aus dem Kern-Handlungsbereich und je etwa 20 Punkte aus den beiden anderen. Zum Bestehen brauchst du in jeder Situationsaufgabe mindestens 50 Punkte („ausreichend“).

Wie lange dauert eine Situationsaufgabe?

Jede der beiden schriftlichen Situationsaufgaben dauert mindestens vier Stunden, beide zusammen höchstens zehn Stunden. Die genaue Bearbeitungszeit steht in der Einladung deiner IHK. Das Fachgespräch als dritte Situationsaufgabe dauert 45 bis 60 Minuten.

Welche Hilfsmittel sind erlaubt?

Das regelt die Hilfsmittelliste der DIHK, die sich ändern kann. Hol dir rechtzeitig die aktuelle Fassung bei deiner IHK. Mehr dazu im Artikel über die Hilfsmittel in der Industriemeisterprüfung.

Was passiert, wenn ich eine Situationsaufgabe nicht bestehe?

Ist höchstens eine schriftliche Situationsaufgabe mangelhaft und keine ungenügend, kannst du eine mündliche Ergänzungsprüfung ablegen. Sonst wiederholst du den Prüfungsteil – bestandene Leistungen kannst du dir anrechnen lassen, wenn du dich innerhalb von zwei Jahren erneut anmeldest.

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