Die Industriemeisterprüfung besteht aus zwei eigenständigen Prüfungsteilen. Die Basisqualifikation prüft fachübergreifendes Wissen in fünf Einzelfächern. Die Handlungsspezifische Qualifikation, kurz HQ, funktioniert völlig anders.
In der HQ gibt es keine Fächer mehr. Es gibt Situationsaufgaben. Du bekommst eine betriebliche Ausgangslage beschrieben, und darauf aufbauend musst du handeln: rechnen, planen, entscheiden, begründen. Technik, Kostenrechnung und Personalführung kommen dabei in derselben Aufgabe vor.
Genau das ist der Punkt, an dem viele unterschätzen, was auf sie zukommt. Wer in der BQ gelernt hat, Wissen abrufbar zu haben, muss in der HQ Wissen anwenden. Das ist eine andere Fähigkeit, und sie will geübt werden.
Die HQ umfasst drei Handlungsbereiche:
Darauf verteilen sich drei Situationsaufgaben. Zwei werden schriftlich bearbeitet, die dritte ist das situationsbezogene Fachgespräch.
Jede schriftliche Situationsaufgabe dauert laut Verordnung mindestens vier Stunden, beide zusammen höchstens zehn Stunden. Das Fachgespräch dauert zwischen 45 und 60 Minuten. Wie lange genau und zu welcher Uhrzeit, steht in der Einladung deiner IHK.
Hier liegt die Information, die viele zu spät entdecken. Die Situationsaufgaben sind nicht reine Fachaufgaben. Jede enthält Anteile aus allen drei Handlungsbereichen.
Für die Situationsaufgabe 1 mit Schwerpunkt Technik nennt die DIHK-Strukturierung als Richtwert:
Bei der Situationsaufgabe 2 liegt der Schwerpunkt entsprechend auf Organisation, mit ebenfalls je etwa 20 Punkten für die beiden anderen Bereiche.
In der Technikaufgabe stecken rund 40 Punkte, die nichts mit Technik zu tun haben. Wer sich ausschließlich auf sein technisches Fachgebiet vorbereitet, lässt fast die Hälfte der Punkte liegen, bevor die Prüfung überhaupt beginnt.
Umgekehrt ist das eine Chance. Personalführung und Kostenwesen sind für die meisten leichter zu lernen als tiefe Technik. Diese 40 Punkte sind oft am günstigsten zu holen.
Beim Industriemeister Elektrotechnik gibt es zwei Qualifikationsschwerpunkte:
Wie T1 und T2 in deiner Prüfung zusammenspielen, ist in den amtlichen Unterlagen nicht einheitlich beschrieben: Mal ist von T1 oder T2 die Rede, mal von T1 und T2. Kläre deshalb früh mit deiner IHK und deinem Lehrgangsträger, welcher Teil bei dir bewertet wird. Was in beiden Schwerpunkten drankommt, zeigt unsere Seite zur HQ-Prüfung Elektrotechnik. Beim Industriemeister Metall heißen die Schwerpunkte Betriebs-, Fertigungs- und Montagetechnik, mehr dazu auf der Seite zur HQ-Prüfung Metall.
Drei Qualifikationsschwerpunkte — in Elektrotechnik und Metall derselbe Stoff:
Welche Themen hier besonders oft geprüft werden, steht auf unserer Seite zum Handlungsbereich Organisation.
Ebenfalls drei Schwerpunkte:
Dieser Bereich ist der Kern des Fachgesprächs, taucht aber zusätzlich in beiden schriftlichen Aufgaben mit je etwa 20 Punkten auf. Er ist damit der einzige Bereich, der in allen drei Prüfungsleistungen vorkommt.
Ein Detail, das regelmäßig missverstanden wird: Für die Zulassung zur HQ musst du die BQ abgelegt haben, nicht zwingend bestanden.
Du kannst also zur HQ antreten, auch wenn in der BQ noch ein Fach offen ist. Das ist gerade dann hilfreich, wenn du zeitlich unter Druck stehst.
Zwei Bedingungen gelten zusätzlich:
Die fünf Jahre sind eine Zulassungsfrist für die HQ. Davon zu trennen ist die Frist fürs Wiederholen: Jeder nicht bestandene Prüfungsteil kann zweimal wiederholt werden, und bestandene Leistungen kannst du dir nur anrechnen lassen, wenn du dich innerhalb von zwei Jahren erneut anmeldest.
Die schriftlichen Termine sind bundeseinheitlich, werden aber nicht von jeder IHK angeboten. Verbindlich ist immer die Einladung deiner IHK.
Industriemeister Elektrotechnik
Industriemeister Metall
Den Termin für das Fachgespräch legt deine IHK fest; er liegt nach den schriftlichen Aufgaben. Eine laufend aktualisierte Übersicht mit Countdown findest du auf unserer HQ-Startseite.
Die HQ folgt im Herbst 2026 rund ein bis zwei Wochen auf die BQ. Wer beide Teile im selben Durchgang schreibt, hat einen sehr dichten November vor sich.
Bestanden hast du die HQ, wenn jede der drei Prüfungsleistungen — beide schriftlichen Situationsaufgaben und das Fachgespräch — mindestens „ausreichend“ ist, also mindestens 50 Punkte erreicht.
Für die HQ gilt eine eigene Regelung zur mündlichen Ergänzungsprüfung, und sie ist strenger als in der BQ:
Die Ergänzungsprüfung dauert in der Regel höchstens 20 Minuten. Bei der Zusammenfassung zählt die schriftliche Leistung doppelt gegenüber der mündlichen. Nachlesen kannst du das in der Prüfungsverordnung Industriemeister Elektrotechnik.
Beim Umstieg von BQ auf HQ weiter in Themenblöcken lernen. Die Prüfung stellt keine Themenfragen, sondern Situationen.
Eine typische Aufgabe klingt eher so: In einer Fertigungslinie häufen sich Stillstände. Analysiere die technische Ursache, bewerte zwei Instandhaltungsvarianten wirtschaftlich und beschreibe, wie du dein Team auf die neue Vorgehensweise einweist.
Drei Handlungsbereiche in einer Aufgabe. Wer nur Technik gelernt hat, kommt bis zur Hälfte.
In jeder schriftlichen Aufgabe stecken etwa 20 Punkte aus jedem der beiden anderen Handlungsbereiche. Das sind zusammen rund 40 von 100.
Diese Teile sind meist mit weniger Aufwand zu sichern als der technische Kern. Kostenrechnung folgt festen Schemata. Bei Personalführung und Unterweisung reicht solides Grundwissen. Wer hier zuverlässig liefert, hat einen großen Puffer für den technischen Teil.
Die HQ wird nicht angekreuzt. Du schreibst Fließtext, begründest Entscheidungen und rechnest Wege vollständig auf.
Das muss man geübt haben. Wer weiß, wie etwas geht, es aber noch nie unter Zeitdruck schriftlich dargelegt hat, verliert Zeit und Punkte. Nimm dir Situationsaufgaben aus früheren Prüfungen und schreib sie vollständig aus, mit Stift und Zeitlimit. Zum Einstieg kannst du 15 Prüfungsaufgaben aus Frühjahr 2025 kostenlos und ohne Anmeldung testen — mit Lösungsweg und Selbstbewertung bei Freitextantworten.
Vier Stunden klingen nach viel. Bei einer komplexen Situationsbeschreibung mit acht bis zehn Teilaufgaben sind sie es nicht.
Situationsbeschreibung einmal ganz lesen, dann alle Teilaufgaben überfliegen und grob die Zeit nach den Punktzahlen verteilen. Eine Aufgabe mit 15 Punkten verdient mehr Zeit als eine mit 5. Danach mit den sicheren Teilen beginnen.
Vieles aus der BQ taucht in der HQ wieder auf: Kostenrechnung aus BWH, Führungsstile und Motivationstheorien aus ZIB, Arbeitsrecht und Arbeitsschutz aus RBH, Projektmanagement aus MIKP.
Wer die BQ gerade hinter sich hat, hat damit einen erheblichen Vorsprung bei den 40 Nebenpunkten. Diesen Vorsprung sollte man nutzen, statt zu lange zu pausieren.
Ein konstruiertes, aber realistisches Beispiel für den Aufbau. Die Situationsbeschreibung umfasst in der Prüfung meist ein bis zwei Seiten:
In Ihrem Verantwortungsbereich läuft eine Fertigungslinie mit vier Stationen im Dreischichtbetrieb. In den letzten Monaten häufen sich ungeplante Stillstände an Station 3. Die Geschäftsleitung erwartet einen Vorschlag. Gleichzeitig ist ein neuer Mitarbeiter eingearbeitet worden, der die Anlage künftig eigenständig bedienen soll.
Darauf folgen Teilaufgaben, die sich über alle drei Handlungsbereiche verteilen:
Zwei Dinge fallen auf. Erstens hängen die Teilaufgaben zusammen. Wer die Ursache falsch bestimmt, rechnet anschließend mit falschen Annahmen weiter. Zweitens sind vier der sieben Teilaufgaben nicht technisch.
Die Punktzahlen stehen in der Prüfung an jeder Teilaufgabe. Nutze sie zur Zeiteinteilung, sie sind der zuverlässigste Hinweis darauf, wie ausführlich eine Antwort sein soll.
Nein. Die Zulassung zur HQ setzt voraus, dass du die BQ abgelegt hast.
Laut DIHK-Hilfsmittelliste unter anderem ein netzunabhängiger, nicht kommunikationsfähiger Taschenrechner, die von der IHK gestellte Formelsammlung, bis zu drei zugelassene Tabellenbücher und unkommentierte Gesetzestexte. Die Liste wird fortgeschrieben — hol dir vor dem Termin die aktuelle Fassung bei deiner IHK.
Das regelt deine IHK bei der Anmeldung. Frag dort nach, bevor du planst — und behalte dabei die Fünfjahresfrist für die Zulassung im Blick.
Das empfindet jeder anders. Die BQ deckt fünf teils fremde Fachgebiete gleichzeitig ab, die HQ liegt näher am Berufsalltag. Dafür verlangt die HQ eine andere Darstellungsform, und das Fachgespräch ist für viele die ungewohnteste Prüfungssituation.
Die HQ ist kein zweiter Durchlauf der BQ mit anderen Inhalten. Sie prüft, ob du als Industriemeister eine betriebliche Situation erfassen, technisch lösen, wirtschaftlich bewerten und gegenüber deinem Team vertreten kannst.
Der wichtigste Hebel in der Vorbereitung ist die Gewichtung: etwa 60 Punkte Kernbereich, etwa 40 Punkte aus den beiden anderen Handlungsbereichen. Wer diese 40 Punkte ernst nimmt, verschafft sich Luft.
Und wer die BQ gerade abgeschlossen hat, sollte zügig weitermachen. Kostenrechnung, Führung und Arbeitsschutz sind dann noch präsent, und genau das sind die Punkte, die in der HQ mitgeprüft werden. Prüfungsaufgaben aus den Jahrgängen 2015 bis 2025 zum Üben findest du auf Industriemeister-HQ.
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